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Angst? Nein danke!

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Was ist eigentlich Angst?
Der Psychologe Paul Ekman beschreibt neben der Wut, dem Ekel, der Freude, dem Zorn, der Traurigkeit und der Überraschung die Angst als eine der 7 menschlichen Grundemotionen. Es gibt fachlich verschiedene Modelle mit verschiedenen Emotionen – bei den allermeisten Modellen ist Angst eine der Grundemotionen. Angst wird wie folgt beschrieben: «Angst ist ein Gefühl, das als beklemmend, bedrückend und unangenehm sowie als Bedrohung empfunden wird» (Hobmair 2017). Wie und woher die Emotion Angst genau kommt, wird unter Fachpersonen je nach Fachrichtung verschieden interpretiert und diskutiert. Meine fachliche Definition nach Selbsterfahrung und vielen Begleitungen ist eine grundsätzliche Unterteilung in «Ur-Angst» und in «psychologische Angst».

Kannst du uns den genauen Unterschied von «Ur-Angst» und «psychologischer Angst» erklären?
«Ur-Angst» zeigt sich, wenn dein Leben unmittelbar bedroht ist. Diese Angst ist jedem Menschen angeboren – wir können sie auch als «natürliche Angst» oder «physische Angst» bezeichnen. Ein Beispiel: Wenn du auf der Autobahn fährst und du weit vorne einen Geisterfahrer entgegenfahren siehst, verspürst du sofort Angst, weil dein Leben unmittelbar bedroht ist. Mit dieser Ur-Angst kannst du sehr gut umgehen – du wirst von dieser Art von Angst unterstützt. Du wirst und bist hellwach, du bekommst von deinem Körper Adrenalin, du hast sehr viel Energie – und du wirst (so laufen die allermeisten Fälle auf der Autobahn ab) dem Geisterfahrer ausweichen. Die «Urangst» ist somit sehr nützlich, weil sie seit tausenden von Jahren dem Überleben des Menschen dient.

«Psychologische Angst» ist aber etwas ganz anderes. Es ist eine Form der Konditionierung, ein mentales Konstrukt, welches sich sehr destruktiv auf dein Leben auswirkt. Ein Beispiel: Unsere Gesellschaft und unsere Unternehmen verändern sich durch Corona zurzeit sehr schnell und sehr stark. Du hast nun Gedanken (Angst) deinen Job oder dein Unternehmen zu verlieren – oder du hast Gedanken (Angst), mit der neuen Situation in deinem Leben nicht mehr fertig zu werden. Diese Gedanken begleitet von Gefühlen, mit unter Umständen körperlichen Reaktionen wie zittern oder Übelkeit gründen auf Gedanken nicht auf einer realen Situation. Du hast deinen Job oder dein Unternehmen immer noch, du liest im Moment diesen Blog – und trotzdem ist da dieses Gefühl, sind diese Gedanken, die dir Angst bereiten – das ist «psychologische Angst». Und diese Angst ist sehr verbreitet – sie schränkt deine Möglichkeiten und deine Lebensqualität sehr ein. Wenn du dich nicht um diese Form von Angst kümmerst, wird sie mit der Zeit immer grösser werden.

Wenn ich das richtig verstehe, ist diese Unterscheidung sehr wichtig?
Ja und nein. Die «Ur-Angst» ist angeboren und zeigt sich automatisch, du musst dich um diese Form also nicht kümmern. Wichtig ist zu verstehen, dass es «natürlich / angeboren» ist auf der Autobahn mit einem Geisterfahrer Angst zu haben. Und es ist wichtig zu verstehen, dass kreisende Gedanken mit immer wiederkehrenden ängstlichen Gefühlen «nicht natürlich / konditioniert» sind. Es bedeutet aber auch, dass du den allergrössten Teil deiner Ängste (diese sind psychologisch) auflösen kannst.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe auch ich ziemlich viele «psychologische Ängste», ich bezeichne diese als Sorgen. Kann ich diese wirklich auflösen?
Worte sind Wegweiser – wenn du lieber von Sorgen als von Ängsten sprechen willst, ist das in Ordnung. Ja, du kannst deine «psychologischen Sorgen und Ängste» sehr wohl auflösen. Es gibt von der Philosophie und vom Ansatz her ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Vom Bereich Coaching, über das Autogene Training bis hin zur Psychotherapie hast du ganz verschiedene Methoden und Modelle, um dich mit deinen Sorgen und Ängsten auseinanderzusetzen und diese zu bearbeiten. Das ist einfacher, als die meisten Menschen glauben!

Das heisst, wenn ich ein Coaching, ein Autogenes Training oder eine Therapie in Anspruch nehme, lösen sich die «psychologischen Ängste» ganz auf?
Im Grundsatz ja. Natürlich gibt es bei den «psychologischen Ängsten» ganz viele Arten und Abstufungen. Das fängt bei «sich Sorgen zu machen» an – und geht hin bis zu Panikstörungen. Wir können die Sorgen oder Ängste auch mit «klein» oder «gross» bezeichnen. Haben Menschen kleine Ängste reicht es oft schon aus, ihnen die Ängste bewusst zu machen, damit sie mit diesen adäquat umgehen können. Sind Ängste «mittelmässig» oder «gross», bedarf es einer ausgebildeten Fachperson wie auch einem längeren Begleitungsprozess. Auf pathologische Ängste wie einer Panikstörung möchte ich in diesem Interview nicht eingehen, weil das den Rahmen sprengen würde. Aber noch einmal: Ja, du kannst die Sorgen und Ängste ganz auflösen.

Gibt es Methoden, welche besser funktionieren, beziehungsweise wie funktionieren sie?
Für mich ist die Methode immer sekundär. Der erste und wichtigste Punkt ist, dass sich ein Mensch dazu entscheidet, seine Sorgen und Ängste anzugehen. Das ist schon die halbe Miete! Der zweite elementare Punkt ist, dass du Vertrauen in eine Begleitungsperson hast. Ohne Vertrauen in eine Person, welche dich unterstützt, ist es nicht möglich Sorgen und Ängste zu bearbeiten. Dann kommt für mich an dritter Stelle die Methode oder das Modell – und da deckt sich mein ganzheitlicher Ansatz nicht immer mit den etablierten Fachrichtungen.

Wenn du nur an deinen ängstlichen Gedanken arbeitest, hast du immer noch die Emotion der Angst. Wenn du an den Gedanken und an den Emotionen arbeitest, hast du immer noch einen physischen Körper, wo die Gedanken und Emotionen «Zuhause» sind oder waren, darum musst du auch den Körper miteinbeziehen. Das kann so aussehen, dass du mit mir zuerst auf mentaler Ebene an deinen Gedanken und Emotionen arbeitest, um dann mit einem Autogenen Training deine Ressourcen und deinen Körper miteinzubeziehen – zusätzlich setze ich auch auf Klopftechniken, welche deinen Körper noch stärker unterstützen. In der Funktion als Lehrer und Krankenkassen anerkannter Therapeut für Autogenes Training, Coach und Mentaltrainer verbinde ich immer alle 3 Ebenen – meiner Erfahrung nach wirkt dies nachhaltig.

Ein Beispiel aus dem letzten Jahr: eine ca. 35-jährigen Frau, die Höhenangst hat, kam zu mir, um sich ihrer Angst zu stellen. Sie ging in Häusern nie höher als in den 1. Stock hinauf – alles weiter oben löste bei ihr Angst und Panik aus. Nach 4 Coaching Settings mit Autogenem Training, wo alle 3 Ebenen bearbeitet und integriert wurden, sendete sie mir ein Selfie aus den Ferien – aufgenommen auf einer sehr hohen Hängebrücke im Bündnerland.

Zum Abschluss: Angst? Nein danke!
Stelle dich deinen Sorgen und Ängsten – Jetzt! Mit der Unterstützung einer Begleitperson hast du die Kraft und die Möglichkeit mit deinen Sorgen und Ängsten umzugehen, um sie früher oder später ganz auflösen zu können.

Quellen
(Hobmair, H: Psychologie, Köln 2017)

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Der Autor

Name: Pjorin Jenny

Beruf: Betrieblicher Mentor, Coach, Lehrer für Autogenes Training & Ausbildner

Website: mental4you

Motto: «Leben im Hier & Jetzt»

Ausbildner in: Zertifikat Coach, Business Coach, Mental Coach, Life Balance Coach, Autogenes Training, Begleitung zur Fachprüfung

IPC Akademie
Pjorin Jenny

Als Mentor, Coach, Trainer und Betriebswirtschafter unterstützt Pjorin Jenny Kunden im beruflichen, wie auch privaten Umfeld. Dabei begegnen ihm sehr viele Menschen, welche kleine und grosse Sorgen und Ängste in sich tragen.

Bei seinen Begleitungen verfolgt er einen ganzheitlichen Ansatz. Er ist aus eigener Erfahrung und unzähligen Begleitungen zum Thema Angst davon überzeugt, dass für einen nachhaltigen Erfolg bei einem Menschen verschiedene Ebenen einbezogen werden müssen. Er spricht dabei von der kognitiven, der emotionalen und der physischen Ebene eines Menschen. Der Fokus seiner Arbeit liegt bei der Verbindung aller drei Ebenen, also dem Denken, den Emotionen und dem physischen Körper. Nur so kann nachhaltig eine Veränderung, beziehungsweise eine Heilung eintreten. Sein Ansatz ist sehr praxisorientiert und einfach in das Alltagsleben integrierbar.