Sie möchten als Coach wirkungsvolle Veränderungen bei Ihren Klient:innen erzielen? Dann vergessen Sie «Ihre» Methode... - w1nner.com

Sie möchten als Coach wirkungsvolle Veränderungen bei Ihren Klient:innen erzielen? Dann vergessen Sie «Ihre» Methode…

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Persönliches zu Anfang

Zugegeben, der Titel ist provokativ – doch er bringt einen Prozess auf den Punkt, den ich in meiner Tätigkeit als Coach, Therapeut und Begleitperson durchleben musste oder durfte, je nach Betrachtungsweise. Was meine ich damit? Ich bin seit 2002 selbständig tätig und habe von 1998 bis 2005 meine Ausbildung zum Therapeuten im Verfahren der «Integrativen Therapie» absolviert. Damals habe ich den «integrativen» Gedanken wohl noch nicht so genau verstanden. Dieser zeigte sich vor allem im Studium mehrerer tausend Seiten Grundlagenliteratur verschiedenster Schulen und Therapierichtungen …..

Die Überzeugung

Ins Coaching eingestiegen bin ich dann mit einer damals modernen Methode im «Emotionscoaching» und habe viele Jahre mit Leidenschaft, Begeisterung, Überzeugung und mit viel Erfolg damit gearbeitet. Neugierig wie ich war, wollte ich tiefer verstehen, was wir da genau machen und was letztendlich im Coaching, Begleitung oder Therapie wirkt.

Der Zweifel und die Schmerzen

So kam es, dass ich mich immer weiter ins Gebiet der Gehirn-, Emotions-, Wirksamkeits- und Therapieforschung begab. Und so stiess ich auch auf den Forscher und Therapeuten Gerhard Roth (2016, 2019). Dieser schreibt in Bezug auf Coaching- und Therapie-Methoden sehr pointiert und doch durch Studien belegt, es gelte bezüglich Wirksamkeit in Coaching und Therapie und jenseits aller «Methodengläubigkeit» das Drittel-Gesetz: «Die unterschiedlichen Richtlinienverfahren weisen im Gesamtvergleich die gleiche Wirksamkeit auf, die zudem viel geringer ist, als offiziell behauptet wird und ungefähr dem ‘Drittelgesetz’ folgt, d.h. bei einem Drittel der Patienten zeigt sich eine deutliche längerfristige Wirkung, bei einem weiteren Drittel ist die Wirkung nur mässig oder nicht dauerhaft und beim restlichen Drittel ist keine Wirkung feststellbar.» (Ryba, Roth 2019, 20). Das erschütterte meine bisherige «Methodengläubigkeit» doch sehr.

Fragen und Antworten

Das Antwort auf die Frage «Und was wirkt denn dann wirklich?» lässt sich nach den Ergebnissen der Wirksamkeitsforschung wie folgt formulieren: Erfolgreiche Coaching-, Therapie- oder Begleitungsprozesse wirken nicht primär durch die eine oder andere «geniale» Methode an sich, sondern im Zusammenwirken von fünf übergeordneten Wirkfaktoren. Diese Wirkfaktoren wurden aus zahlreichen Metaanalysen gewonnen (Grawe 2004) und werden sinngemäss bezeichnet als:

  • Therapeutische Allianz (vertrauensvolle Coach-Klienten-Beziehung)
  • Ein gemeinsam gefundenes Problem- und Zielverständnis
  • Ressourcenaktivierung
  • Angemessene und geeignete Wege der Problemaktualisierung
  • Möglichkeiten zur Veränderung und Problembewältigung

Je besser es dem Coach gelingt, diese Wirkfaktoren zu realisieren, je höher ist die Aussicht auf Erfolg und nachhaltige Zielerreichung, und zwar unabhängig von der jeweiligen Methode und den Tools, die angewendet werden.

Neue Erkenntnisse

Das führt(e) mich zu meiner heutigen Überzeugung: Die Zukunft des Coachings ist integrativ, und jede:r Coach sollte sich in Haltung und Arbeitsweise an diesen fünf übergeordneten, methodenunabhängigen Wirkfaktoren ausrichten. Und je grösser dabei der methodische «Werkzeugkoffer» ist, desto gezielter, flexibler, punktgenauer und effektiver können wir mit unseren Klient:innen arbeiten.

Zurück auf 0

So weltbewegend neu ist das vielleicht gar nicht? Für mich war es jedenfalls ein intensiver Prozess, der mich zu neuer Klarheit und wieder zurück zu den «Basics» in meiner Arbeit mit den Menschen gebracht hat. Und wenn ich mich umschaue, dann sind sowohl an der IPC und der SMAK, wie auch in der Ausbildung zum«Betrieblichen Mentor», genau jene Grundlagen und Kernkompetenzen beschrieben, die für den gelingenden Einsatz der Wirkfaktoren wesentlich sind: beispielsweise Aufbau von Vertrauen, Präsenz im Coaching, Umgang mit Auftrag und Ziel, Erzeugen von Bewusstsein, Leiten des Prozesses. Genau darum geht es, wenn ich erfolgreich coachen und begleiten möchte. Und nicht primär um «meine» Methode.

Quellen
– Eilert, Dirk: Integratives Emotionscoaching. Junfermann, Paderborn (erscheint Juli 2021)
– Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe, Göttingen (2004)
– Petzold, Hilarion: Integrative Therapie. 3 Bände. Junfermann, Paderborn (2003)
– Roth, Gerhard; Ryba, Alica: Coaching, Beratung und Gehirn. Neurobiologische Grundlagen wirksamer Veränderungskonzepte. Klett-Cotta, Stuttgart (2016)
– Ryba, Alica; Roth, Gerhard: Coaching und Beratung in der Praxis. Ein neurowissenschaftlich fundiertes Integrationsmodell. Klett-Cotta, Stuttgart (2019)

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Der Autor

Name: Roger Marquardt

Beruf: Coach, Begleitperson, Lehrtrainer, Therapeut

Website: roger-marquardt.com

Motto: Erkenne Dich selbst. Werde der Du bist.

Ausbildner in: Zertifikat Coach, Diplom Mental Coach, emTrace®

IPC Akademie
Roger Marquardt

Seit 2005 ist Roger mit Leidenschaft und Begeisterung Emotions-Coach und hat sich auf die Anwendung moderner, integrativer und effektiver Kurzzeit-Methoden im Coaching spezialisiert. Vor seiner Karriere als selbständiger Coach, Berater und Trainer hat er erfolgreich ein Studium der Sozialpädagogik absolviert. Es folgten verschiedene Fortbildungen in Methoden der Persönlichkeitsentwicklung und eine Ausbildung zum NLP Master. Roger ist mehrfach zertifizierter Ausbildner, Coach und Lehrtrainer.